Ein Fachtag im Zeichen von Vielfalt, Teilhabe und Bewegung

Rund drei Stunden lang bot der bereits vierte Online-Fachtag dieser Reihe einen intensiven Einblick in erfolgreiche interkulturelle Projektarbeit im Bereich Bewegungsförderung. Der Fachtag ist eine Kooperationsveranstaltung der Regierung von Niederbayern, des Landratsamtes Passau, des Bayerischen Zentrums für Prävention und Gesundheitsförderung und der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Bayern.

Der Vormittag richtete sich an Fachkräfte aus Gesundheitsämtern und Gesundheitsregionenplus, Beratungsstellen, Schulen und weitere Interessierte. Die Veranstaltung wurde moderiert von Sylvia Seider (Regierung von Niederbayern).

In ihrer Begrüßung betonten Iris Grimm (ZPG, KGC Bayern) und Katrin Freund (LRA Passau) die Bedeutung von Gesundheitlicher Chancengleichheit und interkultureller Kompetenz: Nur wenn Angebote dort ansetzen, wo Menschen tatsächlich sind und auf diese Bezug nehmen, können sie nachhaltig wirken und Barrieren abbauen.

Interkulturelle Bewegungsförderung: Chancen erkennen, Hürden überwinden

Der einführende Vortrag von Sonja Geigenberger (Freiwilligenagentur „pack ma’s“) zeigte eindrücklich, welche Herausforderungen interkulturelle Sportprojekte begleiten – und welche Lösungen funktionieren. Zu den am häufigsten genannten Barrieren gehören fehlende adäquate Angebote und soziale Unterstützung, Sprachhemmnisse, Unsicherheiten im Umgang mit kulturellen Normen, Zugangshürden oder unpassende Trainingszeiten.

Gelingensfaktoren sind u. a.:

  • mehrsprachige Materialien
  • Piktogramme als universelle Sprache
  • Modulare, flexible Angebotsgestaltung
  • kulturelle Mediatorinnen/Mediatoren
  • Feedback-Schleifen und partizipative Planung.

Ihr Fazit: Interkulturelle Sportangebote sind kein „Nice-to-have“, sondern ein strategisches Instrument, um Gesundheit, Integration und Sicherheit nachhaltig zu stärken. Im Fokus steht die Frage, was mit der Zielgruppe gut machbar ist und wie kulturelle Mediatoren als Brückenbauer eingesetzt werden können.

Die Präsentation zu den Gelingensfaktoren für erfolgreiche interkulturelle Sport- und Bewegungsprojekte finden Sie hier.

Drei Praxisprojekte zeigen, wie es gelingen kann

Lyubka Ivanova (Diakonie Passau) verdeutlichte bei der Vorstellung des ersten Praxisprojektes „Sport verbindet in Pocking!“, wie Sport als Türöffner und Motor für gelungene Integration wirkt – besonders dort, wo soziale Herausforderungen groß sind. Die Beteiligung gibt den Jugendlichen Anerkennung und Wert – es werden Freiräume geschaffen und der Alltagsdruck abgebaut. Durch vielfältige Angebote wie Kinderturnen, Kraftsport, Parcours-Training, Teamsport und offene Freizeitaktionen schafft das Jugendzentrum Pocking Räume, in denen junge Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander in Kontakt kommen. Das Boxprojekt ist ein besonderes Highlight: Es stärkt Disziplin, Respekt, Selbstbewusstsein und fördert soziale Kompetenz und friedliches Miteinander – Jugendliche aus rund 15 Nationen trainieren gemeinsam.

Die Präsentation zu Sport verbindet in Pocking finden Sie hier.

Anna Seliger (BIKU gGmbH) stellte anschließend gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Baum ein bundesweit wachsendes Projekt vor, das Mädchen zwischen 6 und 16 Jahren kostenlosen, offenen Zugang zu Fußball im öffentlichen Raum ermöglicht: „Mädchen an den Ball“. Das bereits im Jahr 2007 gegründete Projekt ist eine Mischung aus Mädchentreff und Mädchenfußball. Es ermöglicht Teilhabe im öffentlichen Raum – ohne Verpflichtung. Der Ansatz: ohne Anmeldung, ohne Leistungsdruck, mindestens drei Coaches, feste Standorte, einmal pro Woche, mindestens 120 Minuten. Das Projekt erreicht gezielt Mädchen, die im öffentlichen Raum häufig unsichtbar bleiben, baut soziale, strukturelle und kulturelle Barrieren ab und stärkt Selbstbewusstsein, Teamfähigkeit und Bewegungskompetenz. Besonders wirksam: weibliche Vorbilder, interkulturelle Trainerteams und die bewusste Gestaltung sicherer Räume.

Die Präsentation zu Mädchen an den Ball finden Sie hier.

Karin Bilek (Wasserwacht Bayern, Ortsgruppe Passau Hals) präsentierte in Ihrem Vortrag „Schwimmen lernen – Leben retten – Integration voranbringen“ ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Schwimmkurse für Jugendliche und Erwachsene zur Gesundheitsförderung, Integration und Sicherheit beitragen. Mit viel Herzblut und Engagement sowie pädagogischer und fachlicher Expertise werden fortlaufend unterschiedliche Angebote durchgeführt. Als Beispiel wurde ein Schwimmkurs vorgestellt, dieser  wurde in den Herbstferien mit Ehrenamtlichen durchgeführt, bot zwölf Plätze und setzte auf Niedrigschwelligkeit, Empowerment und enge Vernetzung mit Integrationsstrukturen. Das Ergebnis: 10 erfolgreiche Teilnehmende, mehrere Seepferdchen-Abschlüsse und deutlich gesteigertes Wasservertrauen. Die Erfahrungen zeigen, wie motivierend, verbindend und lebensrettend solche Angebote sein können.

Die Präsentation zu Schwimmen lernen – Leben retten – Integration voranbringen finden Sie hier.

Austausch, Vernetzung und gemeinsame Verantwortung

In der abschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich: nachhaltige interkulturelle Projektarbeit gelingt dort, wo wiederkehrende Hindernisse erkannt, ernst genommen und gemeinsam angegangen werden.

Ob Fußball, Boxen, Schwimmen oder offene Freizeitangebote – Bewegung schafft Nähe, baut kulturelle Barrieren ab und fördert gesellschaftliche Teilhabe.

Der Fachtag zeigte eindrucksvoll, dass wirkungsvolle Projektarbeit immer auch Haltung ist: offen, flexibel, wertschätzend und partizipativ.