Kurz und knapp – die wichtigsten Veranstaltungsinhalte im Überblick:
- Klimawandel als Gesundheitsrisiko: Der Klimawandel ist längst Realität – auch in Bayern – und beeinträchtigt Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit. Mit zunehmender Hitze, neuen Erregern und extremen Wetterereignissen steigen gesundheitliche Risiken.
- Soziale Ungleichheit verstärkt Klimarisiken: Gesundheitschancen und Belastungen durch den Klimawandel sind sozial ungleich verteilt und erfordern gezielte Präventions- und Anpassungsmaßnahmen. Dabei sind besonders vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, Vorerkrankte und Schwangere betroffen.
- Interdisziplinäre Verantwortung: Klimaanpassung erfordert entschlossenes, gemeinsames und langfristiges Handeln. Dafür müssen Akteure aus den Bereichen Gesundheitsförderung, Stadtplanung, Sozialwesen, Katastrophenschutz, Umweltmedizin und Politik abgestimmt zusammenarbeiten, um klimabedingten Gesundheitsrisiken wirksam entgegenzutreten.
- Fokus auf strukturelle Anpassungen: Prävention umfasst nicht nur individuelle Verhaltensanpassungen, sondern insbesondere (infra-)strukturelle, organisatorische und politische Veränderungen.
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Der Klimawandel gilt als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit – mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit. Immer deutlicher zeigt sich, wie wichtig es ist, gesundheitliche Risiken des sich wandelnden Klimas frühzeitig zu erkennen und diesen mit gezielten Angeboten und strukturellen Maßnahmen zu begegnen. Der LZG-Fachtag „Klimawandel und Gesundheit – Gemeinsam handeln für eine resiliente Zukunft“ widmete sich den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels und bot zugleich reichlich Raum für spannende Diskussionen. Im Kulturzentrum LUISE in München führte das neue Vorstandsmitglied Professor Dr. Christian Janßen (Hochschule München) die Teilnehmenden souverän durch das kurzweilige Vormittagsprogramm, leitete die Grußworte und Vorträge unterhaltsam ein und förderte einen lebendigen Austausch zwischen Referierenden und Publikum.
Klimawandel in Bayern: LZG setzt als Gestalter erste Impulse
Professor Dr. Heiner Vogel, Vorsitzender der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e.V. (LZG), eröffnete den diesjährigen Fachtag. Die Landeszentrale verstehe sich als zentrale Plattform, die Praxis, Forschung und Politik im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention miteinander verbinde, erklärte er. Ihr Ziel sei es, Wissen sichtbar zu machen, den Austausch zu fördern und gemeinsam tragfähige Lösungen für aktuelle gesundheitliche Herausforderungen zu entwickeln. Bereits in seiner Begrüßung machte Professor Vogel deutlich, wie relevant das Thema „Klimawandel und Gesundheit“ ist: Die Auswirkungen des Klimawandels seien keine abstrakte Zukunftsvision, sondern längst spürbarer Bestandteil des Alltags – auch in Bayern.
Unterstützung aus dem Gesundheits- und Umweltministerium
Sowohl das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) als auch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) signalisierten ihre Unterstützung bei dem Thema „Klimawandel und Gesundheit“ und setzten mit Grußworten aus den jeweiligen Fachreferaten wichtige inhaltliche Impulse.
In seinem Grußwort betonte MR Dr. Helmut Theiler (StMUV), dass Klimawandel nicht nur Klimaschutz, sondern vor allem entschlossene Klimaanpassung erfordere: Gesundheitsrelevante Klimafolgen müssten frühzeitig erkannt und systematisch bewältigt werden. Das bedeute insbesondere auch die sektorenübergreifende Integration von Klimaschutz- und Klimaanpassungsaspekten in sämtliche Handlungs- und Politikbereiche.
RD Dr. Johannes Kiesel (StMGP) verwies in seinem Grußwort auf den neuen Masterplan Prävention und hob die klimabezogenen Aspekte darin hervor. Insbesondere Ziel 09 des Masterplans unterstreiche die Bedeutung von Klimaschutz und Klimaanpassung als zentrale gesundheitspolitische Aufgaben. Er appellierte an alle Akteure, aktiv zur Erreichung der Präventionsziele beizutragen und gemeinsames Handeln in den Mittelpunkt zu stellen. Die LZG lud er ein, sich aktiv an der Gestaltung klimabedingter Angebote und Maßnahmen zu beteiligen.
„Gesundheitsrisiko Klimawandel? – Was uns erwartet und wie wir uns darauf vorbereiten können“
Im ersten Fachvortrag erläuterte Professor Dr. Sven Schneider (Universität Heidelberg), warum Deutschland besonders stark vom Klimawandel betroffen sei. Er erklärte, dass Europa zu den am stärksten erwärmten Kontinenten gehöre, da auf der Nordhalbkugel die kühlende Wirkung großer Wasserflächen geringer ausfalle. Deutschland sei aufgrund seiner Lage im kontinentalen Binnenraum besonders stark von Temperaturanstiegen betroffen. Anstelle eines ursprünglich linear angenommenen Temperaturanstiegs müsse von einer exponentiellen Temperaturentwicklung ausgegangen werden, die gesundheitliche Probleme in den kommenden Jahrzehnten erheblich verstärken könne.
Besonders ältere Menschen, chronisch Erkrankte und Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen seien akut gefährdet, so Professor Schneider. Gründe hierfür könnten ein vermindertes Durstempfinden, bestimmte Medikamente sowie unzureichend klimatisierte Einrichtungen sein. Die Hitzeproblematik sei sozial ungleich verteilt und abhängig von Wohnbedingungen, Hintergrundwissen, Risikowahrnehmung und weiteren Faktoren, erläuterte er. Gleichzeitig lasse sich in Teilen der Bevölkerung eine gewisse „Klimawandelmüdigkeit“ beobachten, was die Präventionsarbeit zusätzlich erschwere.
Darüber hinaus gewährte Schneider spannende Einblicke in internationale Vergleichsperspektiven: In afrikanischen Ländern seien biologische und soziale Anpassungen an Hitze seit Langem beobachtbar. Afrikanische Länder könnten daher teilweise als Vorbilder dienen, von denen auch europäische Gesellschaften lernen können, erläuterte er. Zum Abschluss formulierte er klare Erwartungen an die Politik: Mutige Entscheidungen, langfristige Perspektiven und ein klares Bekenntnis zu städtebaulichen Maßnahmen seien erforderlich, da ernsthafte Präventionsarbeit weit über individuelle Verhaltensanpassungen hinausgehe.
Präsentation: Gesundheitsrisiko Klimawandel – Neue Herausforderungen für Sport, Beruf und Alltag; Prof. Dr. Sven Schneider, Universität Heidelberg
Städte der Zukunft: Grüne Infrastruktur als Schlüssel
Nach einer kurzen Pause folgte der Vortrag von Professor Dr. Stephan Pauleit (Technische Universität München), der die zentrale Rolle grüner Infrastruktur für klimaresiliente Städte hervorhob. Er zeigte auf, dass Maßnahmen wie Baumpflanzungen, Entsiegelung oder kühlende städtische Freiräume essenziell sind, um Hitzeinseln zu reduzieren und Menschen in urbanen Räumen zu schützen. Dabei bezog er sich in seinen Ausführungen auch auf eigene spannende Untersuchungen in Stadtteilen Münchens.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie herausfordernd die Transformation hin zu „coolen Städten“ wirklich ist. Teilnehmende wiesen u. a. auf Probleme wie enge Bebauung, Anforderungen an Rettungswege, erforderliche Anlieferzonen für Geschäfte und Restaurants oder fehlende finanzielle Mittel hin. Pauleit zeigte Verständnis für die Einwände, verdeutlichte jedoch, dass langfristig eine Transformation unumgänglich sei: „Realistisch ist alles, was machbar ist.“ Dafür müssten Regelwerke angepasst und Investitionen mutig angegangen werden.
Präsentation: Coole Städte durch grüne Infrastruktur – Anpassung von Städten an den Klimawandel; Prof. Dr. Stephan Pauleit, Technische Universität München
Fazit
Der Fachtag zeigte eindrucksvoll, wie eng Klimawandel und Gesundheit miteinander verknüpft sind und wie wichtig entschlossene Klimaanpassungen für die Bevölkerung sein können. Ob im Gesundheitswesen, in der Stadtentwicklung, Sozialarbeit oder Umweltschutz: Viele Disziplinen tragen dazu bei, unsere Gesellschaft widerstandsfähiger gegenüber schädlichen Klimaeinflüssen zu machen. Davon könnten insbesondere vulnerable Zielgruppen profitieren, die den klimabedingten Gesundheitsrisiken zumeist überproportional stark ausgesetzt sind. Es scheint zumindest unbestritten, dass klimaresiliente Strukturen geschaffen und weiter ausgebaut werden müssen, um insbesondere Menschen in Städten wirksam vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Welche Schritte notwendig sind und wie sie genau umgesetzt werden können, wird weiterhin Gegenstand langwieriger Aushandlungsprozesse sein.
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