Wie können Kinder und Jugendliche gesund aufwachsen – auch dann, wenn ihre Lebensbedingungen herausfordernd sind?

Kurz und Knapp – die wichtigsten Veranstaltungsinhalte im Überblick: 

Angebote in der Prävention und Gesundheitsförderung erreichen oft nicht die Kinder und Jugendlichen, die sie am dringendsten benötigen. Nicht alle jungen Menschen haben die gleichen Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und ein gesundes Aufwachsen. Lebensbedingungen, Zugänge zu Angeboten, gesundheitliche Einschränkungen und das soziale Umfeld prägen maßgeblich, welche Möglichkeiten sich ihnen eröffnen und ob Teilhabe gelingt – oder erschwert wird.

Mit der Veranstaltung „Gesundes Aufwachsen: Wie gelingt Teilhabe trotz schwieriger Lebenslage?“ am 18.06.2026 im südpunkt in Nürnberg richtete die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Bayern (KGC) den Fokus darauf, wie Kinder und Jugendliche trotz herausfordernder Lebenslagen gestärkt und begleitet werden können.

Verschiedene Akteurinnen und Akteure zeigen anhand von Beispielen, wie Zugänge, Beteiligungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote in der Praxis gestaltet werden können, sodass sie tatsächlich Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen erreichen. In den anschließenden Workshops diskutierten die Teilnehmenden die unterschiedlichen Herangehensweisen.

Die Praxisprojekte zeigten, Teilhabe kann gelingen:

  • durch niedrigschwellige Angebote im Stadtteil
  • durch niedrigschwellige Jugendsozialarbeit und Suchtberatung
  • durch integrierende Soziale Arbeit an Kitas
  • durch Sport, Bewegung und Spiel
  • durch strukturierte Vernetzung

Der abschließende der „Markt der Möglichkeiten“ bot allen Veranstaltungsteilnehmenden eine Gelegenheit zum Austausch, zur Vernetzung und zur Mitnahme neuer Impulse für die eigene berufliche Praxis.

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Viele Perspektiven, ein gemeinsames Ziel

91 Teilnehmende aus unterschiedlichsten Berufsgruppen kamen in Nürnberg zusammen, um praxisnahe Beispiele kennenzulernen, diese in Workshops zu vertiefen und sich gemeinsam auszutauschen und zu vernetzen. Vertreten waren u. a. Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Inklusion, Bildung, Politik und Wissenschaft – darunter Mitarbeitende des öffentlichen Gesundheits- und Sozialdienstes, der Selbsthilfe, der Wohlfahrtsverbände und freien Träger sowie aus Bildungs‑ und Beratungseinrichtungen, Vereinen und Verbänden. Alle einte dabei das Ziel, die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen zu stärken und ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.

Grußworte zum Auftakt

Mit Grußworten von Gabi Pfeifer, Leiterin des Bildungszentrums der Stadt Nürnberg, Mitglied des Aufsichtsrats des Bayerischen Volkshochschulverbands und Vorstandsmitglied der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e. V. (LZG), wurde die Veranstaltung eröffnet. In ihrer Ansprache betonte sie die zentrale Bedeutung einer zielgerichteten Gesundheitsförderung, die insbesondere jene Kinder und Jugendlichen erreicht, die bislang nicht oder nur unzureichend von bestehenden Angeboten profitieren. Entscheidend sei, frühzeitig auf junge Menschen zuzugehen und unterschiedliche Zugangswege zu nutzen. Dabei unterstrich sie die Notwendigkeit, niedrigschwellige Zugänge zu schaffen, Vertrauen aufzubauen und Angebote gemeinsam mit den Zielgruppen zu entwickeln. Besonders wichtig sei es, „Zugänge an Orten zu schaffen, an denen Menschen ohnehin bereits sind“ (Gabi Pfeifer).

Die hohe Relevanz des Themas wurde zudem durch die Video-Grußworte von Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, unterstrichen. Sie hob hervor, dass bereits in der Kindheit „entscheidende Weichen für ein gesundes Leben gestellt werden“. Kinder und Jugendliche benötigten „positive Anreize und jemanden, der ihnen auf Augenhöhe begegnet“ und sie in ihrer Lebenswelt erreicht (Judith Gerlach). Frühzeitige und chancengerechte Gesundheitsförderung sei daher ein wesentlicher Baustein, um allen jungen Menschen die Voraussetzungen für ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.


Wie soziale Ungleichheit Teilhabe und Gesundheit prägt

Der für den Vormittag geplante Vortrag „Zwischen Lebenslage und Lebenschance: Soziale Ungleichheit und gesundes Aufwachsen im Jugendalter“ von Dr. Lisa Hasenbein vom Deutschen Jugendinstitut e. V. (DJI) musste leider krankheitsbedingt kurzfristig entfallen. Dr. Hasenbein leitet die Fachgruppe „Lebenslagen und Lebensführung Jugendlicher“ am DJI und ist Mitglied im Kompetenzteam Jugend des „DJI-Surveys AID:A – Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“, der regelmäßig Daten zum Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen sowie zu den Lebenslagen von Erwachsenen und Familien in Deutschland erhebt.

Die Teilnehmenden erhielten im Nachgang die Präsentationsfolien, die aktuelle Erkenntnisse aus dem DJI-Survey aufgreifen. Die darin vorgestellten Ergebnisse verdeutlichen, wie eng soziale Ungleichheit, Teilhabechancen und die Gesundheit von jungen Menschen miteinander verknüpft sind. Deutlich wird, dass soziale Benachteiligungen nicht nur Bildungs- und Freizeitchancen beeinflussen, sondern auch Auswirkungen auf das körperliche und psychische Wohlbefinden haben können.
Vielfalt jugendlicher Lebenswelten: Die Vortragsfolien machen zudem deutlich, dass es „die Jugend“ nicht gibt. Junge Menschen wachsen unter sehr unterschiedlichen sozialen, familiären und kulturellen Bedingungen auf und stehen in der Jugendphase vor einer Vielzahl von Entwicklungsaufgaben.
Besonders hervorgehoben wird die zentrale Rolle sozialer Beziehungen als Sicherheitsnetz für junge Menschen. Familie, Freundeskreis, Schule sowie weitere Bezugspersonen können wichtige Ressourcen darstellen, um Belastungen zu bewältigen und die persönliche Entwicklung zu fördern. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung niedrigschwelliger und bedarfsgerechter Angebote, die Jugendliche in ihren jeweiligen Lebenswelten erreichen, Teilhabe fördern und ein gesundes Aufwachsen unterstützen.


So kann es gelingen – fünf Praxisbeispiele

Am Vormittag zeigten die Kurzvorstellungen von fünf Praxisbeispielen eindrucksvoll, wie Teilhabemöglichkeiten für junge Menschen in schwierigen Lebenslagen geschaffen und dadurch ihre Gesundheit gestärkt werden können. Am Nachmittag wurden die vorgestellten Ansätze in Kleingruppen vertieft diskutiert und weiterbearbeitet.


„Wichtig ist, dass die Angebote für die Zielgruppe attraktiv, aber dennoch gesundheitsfördernd sind“, betonte Maria Forkel. Gemeinsam mit Nils Weiß von der Stadt Nürnberg stellte sie das GROW HAPPY NBG“-Projekt vor und zeigte, wie Teilhabe und ein seelisch gesundes Aufwachsen durch niedrigschwellige Angebote im Stadtteil gelingen können. Das Projekt setzt sich seit 2023 für die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 0 bis 25 Jahren sowie deren Eltern ein. Im Fokus stehen sozial belastete Nürnberger Stadtteile, „in denen die Voraussetzungen für gesundheitliche Chancengerechtigkeit erschwert sind“ (Maria Forkel). Der GROW HAPPY NBG-Leitgedanke lautet: Zukünftig wachsen in Nürnberg alle rundum glücklich und seelisch gesund auf. Gemeinsam mit Einrichtungen sowie Kooperationspartnerinnen und -partnern vor Ort entwickelt und koordiniert GROW HAPPY NBG eine Vielzahl kostenfreier Angebote. Dazu gehören beispielsweise Abenteuerturnen, Kinderyoga, Leseangebote oder Zirkusworkshops für Kinder. Jugendliche und junge Erwachsene können unter anderem an Bouldern, Kickboxen, Selbstverteidigungskursen oder Angeboten zur Stressbewältigung teilnehmen. Ergänzend werden Eltern durch Familienyoga sowie (Online-)Kurse zu Themen wie Stressbewältigung im Alltag unterstützt. Neben den konkreten verhaltensorientierten Angeboten spielen Netzwerkarbeit, trägerübergreifende Zusammenarbeit sowie Stadtteilaktionen und Feste eine wichtige Rolle. Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die Einbindung der Zielgruppe. Bei der Entwicklung neuer Angebote wurden z. B. Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren aktiv beteiligt. In Fokusgruppeninterviews, Arbeitstreffen und gemeinsamen Planungsprozessen brachten sie ihre Perspektiven und Wünsche ein. Wie die Referierenden hervorhoben, wurde den Jugendlichen dabei bewusst „eine Bühne gegeben“: So präsentierten sie selbst die Ergebnisse der Interviews und wirkten an der Ausgestaltung der Angebote mit.

Im Workshop erarbeiteten die Teilnehmenden anhand eines Fallbeispiels, wie ein attraktives Angebot für eine Jugendliche gestaltet werden kann. Dabei standen Fragen im Mittelpunkt wie: Welche Bedürfnisse hat sie? Welche Hürden könnten einer Teilnahme entgegenstehen? Und über welche Wege kann sie erreicht werden? Deutlich wurde, dass wirksame Gesundheitsförderung nur dann gelingt, wenn Angebote eng an den Lebenswelten und Interessen der Zielgruppen ausgerichtet werden. Zum Abschluss wurden zentrale Erfolgsfaktoren des Projekts diskutiert. Dabei wurde betont, dass Verhaltens- und Verhältnisprävention „ganz, ganz viel Zeit“  benötigt – insbesondere für den Aufbau tragfähiger Strukturen und Netzwerke. Gleichzeitig zeigte die Projekterfahrung, dass es wichtig ist, Anreize zu schaffen, um die Zielgruppen zu erreichen. Kleine Maßnahmen wie gemeinsame Verpflegung, Pizza oder Goodie-Bags können dabei helfen, Hemmschwellen abzubauen und die Teilnahmebereitschaft zu erhöhen.

Fazit: GROW HAPPY NBG verdeutlicht, wie psychische Gesundheitsförderung durch niedrigschwellige, partizipativ entwickelte Angebote im Stadtteil gelingen kann. Der Ansatz verbindet Gesundheitsförderung, Teilhabe und soziale Vernetzung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu mehr gesundheitlicher Chancengleichheit für junge Menschen und ihre Familien in Nürnberg.


Leider musste auch der zweite Workshop von Sabrina Temme von der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) krankheitsbedingt entfallen. Dieser hätte sich der Frage, wie Teilhabe durch Kooperation zwischen Jugend- und Behindertenhilfe gelingen kann, gewidmet. Wie das Projekt „Zusammen? Geht doch! Praxis Inklusion in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit“ umgesetzt wird, können Sie hier nachlesen.


„Wenn Systeme Wegbrechen, wissen viele Jugendlichen nicht wohin“ – Katharina Diegner

Wie Teilhabe durch niedrigschwellige Jugendsozialarbeit und Suchtberatung für Jugendliche und junge Erwachsene gefördert werden kann, die von den regulären Hilfesystemen häufig nicht erreicht werden, zeigte Katharina Diegner von Condrobs e. V. Die stellvertretende Einrichtungsleiterin stellte das Clean Projekt Neuhausen (CPN)“ sowie die aufsuchende Arbeit der Streetworkerinnen und Streetworker von „ConAction vor. Beide Einrichtungen verfolgen das Ziel, jungen Menschen auch unter schwierigen Lebensbedingungen Stabilisierung, Teilhabe und gesundheitliche Chancengleichheit zu ermöglichen.
Das CPN richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 27 Jahren, die mit psychosozialen Belastungen, delinquenten Verhaltensweisen oder komplexen Problemlagen konfrontiert sind. Neben Freizeitangeboten, Lernunterstützung und Hilfen beim Übergang in Ausbildung und Beruf begleitet die Einrichtung junge Menschen auch bei Wohnungsproblemen, familiären Konflikten oder dem Ausstieg aus Suchtmittelkonsum. Besonders hervorgehoben wurde dabei der niedrigschwellige und akzeptierende Ansatz der Einrichtung: „Es wird eine feste Anlaufstelle mit einem offenen Ohr und der Akzeptanz der jeweiligen Lebenswelt geboten. Wir verurteilen nicht und arbeiten ressourcenorientiert“ (Katharina Diegner).

Im Workshop erhielten die Teilnehmenden anhand von Fallbeispielen einen praxisnahen Einblick in die Arbeit des CPN und von ConAction. Gemeinsam wurde diskutiert, welche Institutionen, wie z. B. Jugendamt, Jobcenter, Wohnungsamt, Krankenkassen, Therapieeinrichtungen oder Streetwork-Angebote, für nachhaltige Lösungen zusammenwirken müssen. Anhand der Fälle wurden belastende Faktoren wie Wohnungslosigkeit, Suchtproblematiken, psychische Belastungen, fehlende soziale Netzwerke oder ungeklärte Kostenübernahmen analysiert. Gleichzeitig richtete sich der Blick auch auf vorhandene Ressourcen und Schutzfaktoren, etwa Vertrauen in die Fachkräfte, Motivation zur Veränderung oder persönliche Stärken der Betroffenen. Deutlich wurde dabei auch, wie schnell sich Risiken verschärfen können, wenn notwendige Unterstützung aufgrund langer Wartezeiten nicht zeitnah verfügbar ist.

Fazit: Die Diskussion verdeutlichte die wichtige Rolle niedrigschwelliger Einrichtungen wie des CPN: Sie bieten Entlastung, Orientierung und soziale Kontakte, schaffen Perspektiven und vermitteln in weiterführende Hilfesysteme. Um junge Menschen wirksam zu unterstützen, braucht es ein gut vernetztes Hilfesystem, das unter anderem Jugendsozialarbeit an Schulen, ambulante Hilfen, Jugendämter, Jugendtreffs und weitere Angebote der Jugendhilfe einbezieht.


Manche Familien benötigen Unterstützung bei Fragen wie: „Was ist eine Kita? Wann beginnt die Kita? Was benötigt mein Kind, um im Freien spielen zu können?“ – Marina Burkowski

Unter dem Leitgedanken, dass Teilhabe und Chancengerechtigkeit bereits in den ersten Lebensjahren beginnen, stellten Marina Burkowski, Katharina Kraus und Amelie Aryee vom Institut für Soziale und Kulturelle Arbeit (ISKA) das Modellprojekt „Integrierende Soziale Arbeit an Kitas (ISAK)“ vor. Das Projekt knüpft an die Idee der Schulsozialarbeit an und überträgt diese auf den Bereich der frühkindlichen Bildung. Ziel ist es, Familien mit Flucht- und Migrationserfahrung durch Beratung, Begleitung und den Aufbau sozialer Netzwerke frühzeitig zu unterstützen und damit gesundheitlicher und sozialer Ungleichheit entgegenzuwirken. Viele Familien benötigen Unterstützung bei alltäglichen Fragen – genau hier setzt das Projekt setzt an und bietet niedrigschwellige Hilfe direkt im vertrauten Umfeld der Kindertageseinrichtung. Das Besondere dabei: Die Sozialarbeit ist fest in der Kita verankert und richtet den Blick nicht nur auf das Kind, sondern auf das gesamte Familiensystem. ISAK wird derzeit an vier Nürnberger Modell-Kitas umgesetzt und basiert auf drei zentralen Säulen: individuelle Beratung und Begleitung von Familien, niedrigschwellige Gruppenangebote für Eltern und Kinder sowie die Sensibilisierung pädagogischer Fachkräfte für die Lebensrealitäten von Familien aus Drittstaaten und die Stärkung ihrer interkulturellen Handlungskompetenz.

Im Workshop wurde gemeinsam erarbeitet, welche Voraussetzungen Kinder für ein gesundes Aufwachsen benötigen. Die Teilnehmenden nannten unter anderem Liebe, Sicherheit, stabile Beziehungen, Freiräume, Autonomie sowie die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse. Die Sensibilisierungsübung „Ein Schritt nach vorne“ machte zudem erfahrbar, mit welchen Herausforderungen Familien in belasteten Lebenslagen konfrontiert sein können – etwa bei Arztbesuchen, beengten Wohnverhältnissen oder eingeschränkten Freizeit- und Teilhabemöglichkeiten. Anschließend gaben die Referentinnen Einblicke in die praktische Arbeit des Projekts. Diese reicht von der Begleitung bei Behörden- und Arztterminen über die Vermittlung von Freizeitangeboten im Sozialraum bis hin zu Begegnungsangeboten für die ganze Familie, etwa Ausflügen auf einen Bauernhof, Sportangeboten oder gemeinsamen Kinobesuchen.

Fazit: Im Workshop wurde deutlich, wie wichtig frühe und niedrigschwellige Unterstützung für alle sozial benachteiligten Kinder ist. ISAK setzt nicht nur beim Kind, sondern v. a. beim gesamten Familiensystem an – von Eltern und Geschwistern bis hin zu Großeltern und weiteren Bezugspersonen. Denn nachhaltige Teilhabe und gesunde Entwicklungsbedingungen entstehen dort, wo das Umfeld eines Kindes gestärkt wird. So können Familien wirksam unterstützt und Kindern von Beginn an gute Entwicklungs- und Gesundheitschancen eröffnet werden.


„Je früher man beginnt, desto egaler sind die Unterschiede“, betonte Stefanie Krauß. Genau hier setzt das Programm „Young Athletes“ an: Es richtet sich an Kinder im Alter von null bis sieben Jahren und zeigt, wie Teilhabe durch Sport, Bewegung und Spiel gelingen kann. Ziel ist es, „Inklusion für alle Kinder – mit und ohne geistige Behinderung – zu fördern“ und frühzeitig Räume für gemeinsames Lernen und Erleben zu schaffen (Stefanie Krauß) .
Stefanie Krauß vom Special Olympics Deutschland e. V. und Auguste Grothoff von der Stadt Fürth stellten das Sport- und Spielprogramm sowie die praktische Umsetzung eines „Sportsdays“ in Fürth vor.
Durch gemeinsame Bewegungsangebote werden Kinder zusammengebracht, sammeln positive Erfahrungen miteinander und stärken ihre kognitiven, sozialen und motorischen Fähigkeiten. Die Angebote können flexibel in Kindergärten, Schulen, Sportvereinen, Kommunen sowie im familiären Umfeld umgesetzt werden. Ein zentrales Element des Projekts ist ein Aktivitätsleitfaden, der Bewegungsstationen aus acht verschiedenen Kompetenzbereichen umfasst, darunter Gehen, Laufen, Balancieren, Springen und Werfen. Vom Hindernisparcours bis zum Fallschirmspiel bieten die Übungen vielfältige Möglichkeiten für Bewegung und Begegnung. Beim Sportsday werden die Stationen in Tandems aus Kindern mit und ohne geistige Beeinträchtigung absolviert und von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern begleitet. Für eine nachhaltige Verankerung des Angebots sorgt ein anschließender achtwöchiger Trainingsplan, für dessen Umsetzung die beteiligten Fachkräfte vorab geschult werden. Die Kinder lernen dabei zudem wichtige soziale Kompetenzen wie gemeinsames Spielen, Teilen, Rücksichtnahme, Abwechseln und das Befolgen von Anleitungen – Fähigkeiten, die im Familienalltag, im Kindergarten und im Sportverein von großer Bedeutung sind. Darüber hinaus unterstützt das Projekt „Familien dabei, die Fähigkeiten [und Entwicklungspotenziale] ihrer Kinder frühzeitig zu erkennen“ (Stefanie Krauß). Gleichzeitig profitieren auch Kinder ohne geistige Beeinträchtigung von den inklusiven Angeboten: Sie lernen, aufeinander zuzugehen und Unterschiede wertzuschätzen. Ziel ist es, positive „Aha-Erlebnisse“ zu schaffen und Akzeptanz sowie gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Im Workshop wurde zudem diskutiert, wie die in Fürth gesammelten Erfahrungen verstetigt und auf andere Kommunen übertragen werden können. Die Sportsdays können mit geringen finanziellen Mitteln umgesetzt werden. Voraussetzung ist jedoch das Engagement zahlreicher ehrenamtlicher Helferinnen und Helfern vor Ort.
Zudem wurde darauf hingewiesen, dass das Thema Inklusion bislang noch nicht im Leitfaden Prävention verankert ist.

Fazit: Young Athletes legt bereits im frühen Kindesalter den Grundstein für ein aktives Leben voller Bewegung, gemeinsamer Lernerfahrungen und gelebter Inklusion. Es zeigt eindrucksvoll, wie Teilhabe durch Sport gelingen kann und wie aus gemeinsamen Aktivitäten langfristig mehr Akzeptanz, Miteinander und Chancengerechtigkeit entstehen.


„[Am Anfang] sind nur zwei [Personen] gekommen Netzwerkarbeit braucht Zeit und Geduld.“ – Maria Werner

Das letzte Praxisbeispiel rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie Teilhabemöglichkeiten durch eine strukturierte Vernetzung verschiedener Akteurinnen und Akteure gestärkt werden können. Maria Werner von der Kreisverwaltung Recklinghausen stellte das „Netzwerk Seelische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Kreis Recklinghausen“ vor und diskutierte gemeinsam mit Andrea Wolff, Geschäftsführerin der LZG Bayern und Projektleiterin der KGC Bayern, welche Impulse dieses Netzwerk für Bayern bieten kann.
Unter dem Leitgedanken „Gemeinsam für Gesundheit und Bildung“ verfolgt das Netzwerk das Ziel, die Bereiche Gesundheitsförderung, Prävention, medizinische Versorgung, Bildung sowie Kinder- und Jugendhilfe enger miteinander zu verbinden. Kinder und Jugendliche sollen sich in ihren Lebenswelten, insbesondere in Familie, Kita und Schule, zu seelisch gesunden Persönlichkeiten entwickeln können. Dafür schafft das Netzwerk Räume für Austausch, gemeinsame Problemanalysen und die Entwicklung abgestimmter Handlungsstrategien. Als die Idee im Jahr 2023 entstand, nahmen zunächst lediglich zwei Personen am ersten Treffen teil. Heute kommen zu den zweimal jährlich stattfindenden Netzwerktreffen rund 80 Teilnehmende aus unterschiedlichen Institutionen zusammen. Beteiligt sind unter anderem Akteurinnen und Akteure aus der Kreis- und Stadtverwaltung, dem Gesundheitswesen, der Kinder- und Jugendhilfe, Schulen, Kindertageseinrichtungen, Wohlfahrtsverbänden, Beratungsstellen sowie Krankenkassen. Das Beispiel zeigte, dass erfolgreiche Netzwerkarbeit Zeit, Verlässlichkeit und Geduld benötigt: „Netzwerken funktioniert dann, wenn ich weiß, wie mein gegenüber seinen Kaffee trinkt“.

Im Workshop wurden zudem die Herausforderungen einer solchen Zusammenarbeit offen benannt. Unterschiedliche Zuständigkeiten, Kommunikationswege, institutionelle Rahmenbedingungen, Hierarchien und die Vielfalt der beteiligten Professionen erfordern kontinuierliche Abstimmung, transparente Kommunikation und klar definierte Strukturen. Die Teilnehmenden diskutierten bestehende Vernetzungsstrukturen in Bayern und identifizierten Entwicklungsbedarfe. Dabei wurde deutlich, dass bereits zahlreiche Netzwerke und Arbeitskreise bestehen, häufig jedoch dieselben Akteurinnen und Akteure in parallelen Strukturen arbeiten. Als wichtige Zukunftsaufgabe wurde daher die stärkere Vernetzung und Abstimmung der Aktivitäten über Fach- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg benannt. Zudem wurde der Bedarf an zentralen Informations- und Austauschplattformen hervorgehoben, um Familien, Fachkräften und Einrichtungen den Zugang zu passenden Angeboten und Unterstützungsstrukturen zu erleichtern.

Fazit: Das Praxisbeispiel machte deutlich, welch großes Potenzial in einer strukturierten und sektorenübergreifenden Vernetzung liegt. Wenn der Bildungs-, Gesundheitssektor, die Kinder- und Jugendhilfe sowie weitere relevante Akteurinnen und Akteure gemeinsam Verantwortung übernehmen, können Unterstützungsangebote besser aufeinander abgestimmt und Kinder, Jugendliche sowie ihre Familien wirksamer erreicht werden.


Markt der Möglichkeiten

Beim abschließenden „Markt der Möglichkeiten“ präsentierten die Workshop-Referierenden ihre Ergebnisse, sodass alle Teilnehmenden einen Einblick in die Inhalte und Ansätze der anderen Praxisprojekte gewinnen konnten. Bei Kaffee und Kuchen bot der Markt allen Veranstaltungsteilnehmenden zudem eine Gelegenheit zum Austausch, zur Vernetzung und zur Mitnahme neuer Impulse für die eigene berufliche Praxis.

Gelingensfaktoren für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen:

Die Praxisbeispiele verdeutlichten, dass erfolgreiche Gesundheitsförderung und die Schaffung von Teilhabechancen vor allem dort gelingen, wo die Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und Familien in den Mittelpunkt gestellt werden. Entscheidend ist, Angebote nicht nur für, sondern gemeinsam mit den Zielgruppen zu entwickeln. Eine frühzeitige Beteiligung, die ernsthafte Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und eine passgenaue Ansprache schaffen die Grundlage für Vertrauen und nachhaltige Wirkung.

Besonders wichtig sind niedrigschwellige Zugänge, die Nutzung unterschiedlicher Settings und Zugangswege sowie aufsuchende und flexible Unterstützungsangebote. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Kinder und Jugendliche nicht losgelöst von ihrem Umfeld betrachtet werden können. Um Entwicklungs- und Gesundheitschancen nachhaltig zu stärken, sollten auch Eltern, Geschwister, Großeltern und weitere Bezugspersonen einbezogen und unterstützt werden.

Als zentrale Gelingensfaktoren kristallisierten sich zudem verlässliche Beziehungen, Empathie, Akzeptanz und die Bereitschaft heraus, junge Menschen in ihren individuellen Lebenslagen ernst zu nehmen. Darüber hinaus braucht es eine enge Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren aus Gesundheit, Bildung, Kinder- und Jugendhilfe sowie weiteren Unterstützungsstrukturen. Wenn Hilfesysteme transparent zusammenarbeiten, Ressourcen bündeln und Angebote aufeinander abstimmen, können Kinder, Jugendliche und Familien wirksam erreicht und gesundheitliche Chancengleichheit nachhaltig gefördert werden.

Hinweis: Ausgewählte Vortragsfolien können bei Interesse über veranstaltung@lzg-bayern.de angefordert werden.

Haben Sie Fragen zur Arbeit der KGC Bayern? Vielleicht möchten auch Sie Aktivitäten oder Projekte zur Förderung der gesundheitlichen Chancengleichheit ins Leben rufen oder haben weitere Fragen zur effektiven Zielgruppenansprache? Dann wenden Sie sich gerne an das Team der KGC Bayern. Weitere Informationen finden Sie hier.

Veranstaltungsbilder: