Kurz und knapp – die wichtigsten Veranstaltungsinhalte im Überblick:

  • Kooperative Planung bedeutet gemeinsames Handeln und Dialog auf Augenhöhe: Kooperative Planung basiert auf Beteiligung und gleichberechtigter Zusammenarbeit von Fachkräften, Entscheidungstragenden sowie der Zielgruppe und schafft damit die Grundlage für tragfähige und akzeptierte Maßnahmen der Gesundheitsförderung.
  • Das Praxisbeispiel „Stark durch Bewegung“ veranschaulicht, welches Potenzial partizipative Prozesse in der Praxis der Gesundheitsförderung entfalten können.
  • Strategisches Vorgehen zur Überzeugung der Kommunen: Es benötigt eine gute Vorbereitung, Mut zum Perspektivwechsel und eine passgenaue Ansprache.
  • Beteiligung in der Planungsgruppe: Planungsgruppen leben von Vielfalt, Transparenz und guter Moderation. Es gibt keine einheitliche Vorgehensweise, jedoch hilfreiche Tipps, wie es gelingen kann, wichtige Stakeholder einzubinden.
  • Als Verantwortungsgemeinschaft kann es gelingen: Erfolgsrelevant sind insbesondere Motivation, ein gemeinsames Verständnis von Veränderungsprozessen, wirkungsorientiertes Denken sowie das Handeln in gemeinsamer Verantwortung.
  • Beteiligung bleibt ein Lernprozess: Vollständige Partizipation ist selten erreichbar – entscheidend ist, Beteiligung kontinuierlich zu reflektieren und aus Erfahrungen zu lernen. Das Netzwerk Kooperative Planung bietet dafür eine wertvolle Plattform.

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Gemeinsam planen, gemeinsam gestalten, gemeinsam wirken: Der Ansatz der Kooperativen Planung

Wie kann Gesundheitsförderung nicht nur für, sondern gemeinsam mit Menschen gestaltet werden – und das praxisnah, partizipativ und nachhaltig?
Eine Antwort darauf bietet der Ansatz der Kooperativen Planung – ein partizipatives Verfahren, das auf Dialog, Augenhöhe und gemeinsames Handeln setzt. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass tragfähige und nachhaltige Lösungen nur entstehen können, wenn alle relevanten Perspektiven einbezogen und ernst genommen werden – von Vertreterinnen und Vertretern der Zielgruppe über Entscheidungsträgerinnen und -träger bis hin zu Fachexpertinnen und -experten. Statt fertige Konzepte „von oben“ vorzugeben, zielt die Kooperative Planung darauf ab, gemeinsam zu klären, was tatsächlich gebraucht wird, was wirksam ist und wie Maßnahmen konkret umgesetzt werden können.
Aufgrund des großen Interesses im vergangenen Jahr veranstaltete die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Bayern (KGC) am 24.04.2026 erneut die Online-Veranstaltung „Prävention gemeinsam gestalten: Einführung in den partizipativen Ansatz der Kooperativen Planung“.

Laura Anderle, Referentin der KGC Bayern, begleitete 81 Teilnehmende aus überwiegend gesundheits‑ und sozialbezogenen Arbeitsfeldern durch die Veranstaltung. Davon verfügten 74 % bislang über „keine“ oder nur „geringe“ Vorerfahrungen mit Kooperativer Planung oder anderen partizipativen Ansätzen.

Einführung in die Kooperative Planung

In die fachlichen Grundlagen der Kooperativen Planung führte Professorin Dr. Ulrike Röger‑Offergeld von der Universität Augsburg ein. Dabei erläuterte sie u. a. das „Regenbogenmodell“ und hob die Bedeutung von „Ko‑Kreation“ sowie den Mehrwert der Bündelung von fachlicher Expertise und Lebensweltexpertise hervor. Kennzeichnend für den Ansatz der Kooperative Planung ist die kontinuierliche, strukturierte und gleichberechtigte Zusammenarbeit einer interdisziplinären Planungsgruppe. Diese setzt sich aus Fachkräften, Betroffenen sowie Entscheidungsträgerinnen und -trägern zusammen und arbeitet auf Augenhöhe an gemeinsamen Lösungen. Durch die Bündelung unterschiedlicher Wissensformen können Verantwortung geteilt und tragfähige Maßnahmen entwickelt werden. Für das Gelingen des Ansatzes sind sowohl eine sorgfältige Prozessvorbereitung – etwa durch Bedarfs‑ und Kontextanalysen sowie die gezielte Bildung der Planungsgruppe – als auch eine professionelle Prozessbegleitung entscheidend. Dazu zählen unter anderem eine zielorientierte Moderation, die Entwicklung einer gemeinsamen Vision sowie Motivation und Ausdauer der Beteiligten.

Von anderen Projekten lernen

Frau Professorin Dr. Röger‑Offergeld verwies auf bewährte Anwendungsbeispiele und zugehörige Manuale, darunter u. a. die Projekte BIG und KOMBINE, die die praktische Umsetzung des Ansatzes anschaulich verdeutlichen.

Das Projekt „Stark durch Bewegung“ zeigt exemplarisch, wie Kooperative Planung erfolgreich in der Praxis umgesetzt werden kann

Auch das Projekt „Stark durch Bewegung – Ein Projekt für Frauen in besonderen Lebenslagen“ wurde ebenfalls von Frau Professorin Dr. Röger‑Offergeld vorgestellt. Es wurde von 2019 bis 2022 von der Stadt Augsburg umgesetzt, durch die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern gefördert und durch das Institut für Sportwissenschaft und Sport der Universität Augsburg wissenschaftlich begleitet. Inzwischen wurden einzelne Angebote verstetigt und werden über die Volkshochschule Augsburg weitergeführt. Zielgruppe des Projekts waren Frauen zwischen 18 und 64 Jahren in schwierigen Lebenslagen, mit und ohne Migrationshintergrund, insbesondere sogenannte „Nicht‑Bewegerinnen“. Ziel war es, einen niedrigschwelligen Zugang zu Bewegung zu schaffen und die Bedeutung körperlicher Aktivität sowohl für die körperliche als auch für die seelische Gesundheit zu vermitteln. Durch eine breite Palette an Bewegungsangeboten sollten die Frauen unterstützt werden, eine für sie passende Bewegungsform zu finden. Zentraler Bestandteil des Projekts war der kooperative Planungsprozess. In der Vorbereitung und Bedarfsanalyse wurden die Frauen als Interviewpartnerinnen einbezogen und wirkten im weiteren Verlauf als Planerinnen, Mitentscheiderinnen und Mitforschende mit. Die Bewegungsangebote wurden also nicht vorab festgelegt, sondern gemeinsam mit den Teilnehmerinnen entwickelt.
Es wurde deutlich, dass Kooperative Planung nicht nur zur Entwicklung passgenauer Maßnahmen beitragen kann, sondern auch den Aufbau von Netzwerken und tragfähigen Strukturen fördert. „Stark durch Bewegung“ eröffnete den Teilnehmerinnen nicht nur neue Bewegungsmöglichkeiten, sondern verschaffte ihnen auch eine aktive Stimme im Planungsprozess und stärkte ihre Selbstwirksamkeit.

Was unterscheidet Kooperative Planung von anderen partizipativen Ansätzen?

In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde stach insbesondere die Frage hervor, „was Kooperative Planung von anderen partizipativen Ansätzen unterscheidet“.

Hervorgehoben wurden vor allem die klare Struktur und das systematische Vorgehen des Ansatzes sowie der Einbezug aller relevanten Perspektiven. Im Vergleich zu Ansätzen, die Bedarfe der Zielgruppe häufig lediglich erheben und „weiterleiten“, ermöglicht Kooperative Planung einen direkten Dialog aller Beteiligten und erleichtert damit die Umsetzung von Veränderungen. Zudem ist der Ansatz unter akademischer Beteiligung entwickelt und empirisch begleitet worden, wodurch auch komplexe Wirkungen sichtbar gemacht werden konnten. Gleichzeitig ist er stark praxisorientiert, da er ursprünglich aus der Sportentwicklungsplanung hervorgegangen ist.

Nach einer kurzen Bildschirmpause teilten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen auf und bearbeiteten in Workshops verschiedene Teilaspekte. Die Ergebnisse der Workshops wurden im Nachgang im Plenum zusammengetragen.

Wie überzeuge ich meine Kommune davon, mit Kooperativer Planung zu arbeiten?

Der Workshop „Wie überzeuge ich meine Kommune davon, mit Kooperativer Planung zu arbeiten?“ wurde von Andrea Wolff (Geschäftsführerin der LZG Bayern) geleitet. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Akteurinnen und Akteure Kooperative Planung überzeugend in kommunale Entscheidungsprozesse einbringen können.
Es wurden zentrale Voraussetzungen beleuchtet: die Klärung des eigenen Bedarfs sowie die Herausarbeitung des konkreten Mehrwerts eines kooperativen Planungsprozesses für die jeweilige Kommune. Dabei spielt auch die Abwägung des Kosten‑Nutzen‑Verhältnisses eine wichtige Rolle – insbesondere vor dem Hintergrund des zeitlichen und ressourcenintensiven Aufwands, den Kooperative Planung mit sich bringen kann. Deutlich wurde zudem, wie entscheidend die eigene Haltung für eine überzeugende Argumentation ist. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung einer individuellen Überzeugungsstrategie. Dazu gehört die Identifikation relevanter Akteurinnen und Akteure ebenso wie ein gezielter Perspektivwechsel: Welche Argumente könnten die jeweilige Person überzeugen? Welche Interessen, aktuelle Themen, Aufgaben oder Ziele stehen im Vordergrund? Und welchen konkreten Mehrwert kann Kooperative Planung für die zu überzeugende Person bieten?
Als hilfreicher Tipp wurde die Anknüpfung an bestehende kommunale Leitlinien, Strategien oder aktuelle Themen hervorgehoben sowie die bewusste Herstellung eines persönlichen Bezugs. Kooperative Planung sollte dabei nicht nur als Reaktion auf bestehende Probleme dargestellt werden, sondern als systematischer Lösungsansatz. Der Workshop bot damit praxisnahe Impulse, wie Kooperative Planung strategisch vermittelt und in kommunalen Kontexten verankert werden kann.

Wie gewinne ich die Teilnehmenden für die Planungsgruppe?

Der zweite Workshop mit dem Titel „Wie gewinne ich die Teilnehmenden für die Planungsgruppe?“ wurde von Professorin Dr. Jana Semrau (Universität Bremen) gestaltet. Im Fokus stand die Frage, wie Planungsgruppen im Rahmen Kooperativer Planung erfolgreich zusammengesetzt und zur Mitarbeit motiviert werden können.
Zu Beginn erläuterte Frau Professorin Dr. Semrau zentrale Kriterien für die Zusammensetzung einer Planungsgruppe. Je nach Setting können sich die relevanten Akteursgruppen unterscheiden, grundsätzlich sollten jedoch Vertreterinnen und Vertreter der Zielgruppe, Entscheidungsträgerinnen und ‑träger sowie Fachpersonen eingebunden werden. Besonders betont wurde die Bedeutung sogenannter „Türöffner‑Personen“ mit bestehendem Zugang zur Zielgruppe. Empfohlen wurde eine Gruppengröße von 8 bis maximal 20 Personen mit einem ausgewogenen Verhältnis der beteiligten Perspektiven.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass neben inhaltlichem Interesse auch niedrigschwellige Anreize zur Mitarbeit beitragen können, etwa Netzwerkaufbau, fachlicher Austausch oder informelle Begegnungen in angenehmer Atmosphäre (z. B. bei Kaffee und Kuchen). Als besonders wirksam erwiesen sich eine persönliche Ansprache, die Nutzung bestehender Kontakte und Strukturen sowie die Anknüpfung an bereits etablierte Veranstaltungen, während Flyer als weniger geeignet eingeschätzt wurden. Außerdem wurde betont, wie wichtig es ist, den jeweiligen Mehrwert für die Teilnehmenden klar herauszuarbeiten. Für Kommunen kann dieser u. a. im Aufbau und der Stärkung von Netzwerken, in ressortübergreifender Zusammenarbeit sowie in einer erhöhten Standortattraktivität liegen. Politische Entscheidungsträgerinnen und ‑träger profitieren z. B. von erhöhter Sichtbarkeit durch Öffentlichkeitsarbeit, einem besseren Verständnis für die Bedarfe unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen sowie von transparenter gestalteten politischen Entscheidungsprozessen.
Als zentrale Erfolgsfaktoren wurden eine frühe und transparente Kommunikation über Zeitaufwand, Zielsetzung und Nutzen des Prozesses sowie der Blick auf den übergeordneten Mehrwert für alle Beteiligten hervorgehoben. Abschließend wurde betont, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit der Ressource Zeit ist, um langfristiges Engagement zu ermöglichen.

Welche Faktoren braucht es, damit Gesundheitsförderung mit Kooperativer Planung gelingt?

Im dritten Workshop, geleitet von Zsuzsanna Majzik (Landeshauptstadt München), stand die Frage im Mittelpunkt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Gesundheitsförderung durch Kooperative Planung gelingen kann.
Als wichtige Grundlage wurden die Good Practice‑Kriterien der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung benannt, die ein gemeinsames Qualitätsverständnis schaffen und Orientierung im Prozess bieten können. Besonderes Gewicht wurde auf eine wirkungs‑ und bedarfsorientierte Vorgehensweise gelegt, bei der nicht allein umgesetzte Maßnahmen (Output), sondern v. a. wahrnehmbare Veränderungen (Outcome) im Fokus stehen. Weitere zentrale Voraussetzungen sind ein gemeinsames Verständnis von Veränderungsprozessen, Einbindung sowohl der Perspektive der Betroffenen als auch der Entscheidungsträgerebene sowie eine ressortübergreifende Zusammenarbeit. Darüber hinaus wurde diskutiert, dass Kooperative Planung insbesondere dort Potenzial entfaltet, wo ein konkreter Anlass, Problemdruck oder ein sogenanntes „Gelegenheitsfenster“ besteht – also dort, wo Motivation und Veränderungsbereitschaft bereits vorhanden sind. Statt groß zu starten, wurde empfohlen, Kooperative Planung zunächst in überschaubaren Kontexten zu erproben. Abschließend hob Frau Majzik die Bedeutung der „Koalition der Willigen“ hervor: Strategische Partnerschaften und Bündnisse sind entscheidend, um den Weg der Kooperativen Planung nicht allein umzusetzen, sondern als „Verantwortungsgemeinschaft“ gemeinsam nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Als Fazit betonte sie, dass „die kooperative Planung der einzige, [ihr] bekannte Ansatz [sei], der all diese Kriterien berücksichtigt“.

Das Netzwerk Kooperative Planung

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Laura Anderle (KGC Bayern) das Netzwerk „Kooperative Planung“ vor, „das 2021 auf Wunsch verschiedener Akteurinnen und Akteure gegründet wurde, um sich zum Ansatz der Kooperativen Planung auszutauschen“. Das Netzwerk dient als Plattform für gemeinsames Lernen sowie für die Weiterentwicklung und Optimierung des Ansatzes. Mittlerweile umfasst das Netzwerk mittlerweile 50 Mitglieder, die sich zweimal jährlich digital austauschen. Das Netzwerk lebt von vielfältigen Perspektiven und steht bundesweit allen Interessierten offen – unabhängig von Erfahrungshintergrund oder Tätigkeitsfeld. In vergangenen Netzwerktreffen wurden u. a. Themenschwerpunkte wie „ressortübergreifende Zusammenarbeit in großen und kleinen Kommunen“ oder die „Beteiligung von Jugendlichen“ behandelt.

Abschließend lud Frau Anderle zur Teilnahme an einer viertägigen Pilotschulung ein, die im Juni und September 2026 von der KGC Bayern angeboten wird. Dort werden sowohl die theoretischen Grundlagen des partizipativen Ansatzes als auch praxisnahe Übungen zur eigenständigen Anwendung vermittelt.

Wirksame Beteiligung entsteht schrittweise

Abschließend ließ sich festhalten: Wirksame Beteiligung ist ein Prozess. Kooperative Planung muss nicht von Beginn an vollständig umgesetzt sein, sondern kann sich schrittweise entwickeln – getragen von engagierten Einzelnen und offen für thematische Weiterentwicklung. Sie bietet eine konkrete Chance, bestehende Herausforderungen zu bearbeiten. Nicht selten zeigt sich dabei, dass bereits partizipative Elemente vorhanden sind, ohne dass sie bewusst so benannt werden. Entscheidend bleibt die gemeinsame Reflexion, um aus Erfahrungen zu lernen und Beteiligung kontinuierlich zu verbessern.

 

Haben Sie Fragen zur Arbeit der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Bayern? Vielleicht möchten auch Sie Aktivitäten oder Projekte zur Förderung der gesundheitlichen Chancengleichheit ins Leben rufen? Oder Sie wollen ein neues Projekt mit dem Ansatz der Kooperativen Planung starten oder überlegen, wie Sie in Ihrer aktuellen Arbeit die Zielgruppe mithilfe der Kooperativen Planung besser einbeziehen können?
Wenden Sie sich für eine kostenlose Beratung gerne an das Team der KGC Bayern. Wir beraten Sie digital oder in Präsenz zur praktischen und methodischen Umsetzung der Kooperativen Planung. Sollten Sie in Ihrem Aufgabenbereich mit dem Ansatz der Kooperativen Planung arbeiten wollen und eine erfahrene Prozessbegleitung wünschen, können Sie sich gerne an uns bezüglich eines Angebots wenden. Weitere Informationen finden Sie hier.