Schatzsuche ist ein Eltern-Programm für Kindertagesstätten sowie Grundschulen. Es wurde von der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. (HAG) entwickelt. Das Programm folgt einem ressourcenorientierten Ansatz und will die Aufmerksamkeit der Erwachsenen auf die Stärken und Schutzfaktoren der Kinder lenken. Die Resilienz wird gestärkt und das seelische Wohlbefinden gefördert. Das Eltern-Programm Schatzsuche gliedert sich in zwei Angebote: Schatzsuche – Basis und Schatzsuche – Schule in Sicht.

Zielgruppe: Eltern und andere Bezugspersonen, Fachkräfte aus Kita und Grundschule

Projektnehmende: Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. (HAG)

Projektlaufzeit: Oktober 2010 – kein Ende geplant

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Weitere Informationen zu den einzelnen Good Practice Kriterien, u.a. „Niedrigschwellige Arbeitsweise“, finden Sie hier.

Zielgruppe des Projekts – wer und warum?

Die indirekte Adressatinnen- und Adressatengruppe des Eltern-Programms sind insbesondere sozial benachteiligte Kinder in schwierigen sozialen Lebenslagen. Diese Kinder müssen ihre Entwicklungsaufgaben sowie ihren Alltag trotz bestimmter Einbußen sowohl in materieller als auch in sozialer Hinsicht meistern. Um die Kinder zu erreichen, richtet sich Schatzsuche jedoch direkt an die Fachkräfte der Einrichtungen, die das Programm an die Eltern vermitteln und mit ihnen umsetzen. So entsteht eine „Erziehungs- und Bildungspartnerschaft“ zwischen Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen, die eine individuelle Resilienzförderung bewirken kann.

Umsetzung und Erfolg des Programms – wie und was?

Das Bild einer abenteuerlichen Schatzsuche ist der rote Faden des Eltern-Programms. Mütter, Väter oder andere Bezugspersonen begeben sich als Expertinnen und Experten ihrer Kinder auf eine Reise. Sie entdecken Stärken und heben Schätze, die in den Kindern schlummern. Zwei qualifizierte Fachkräfte einer Einrichtung aus den Bereichen KiTa oder Vorschule führen die Schatzsuche durch. Mit kreativen Methoden und Materialien schaffen sie eine angenehme Atmosphäre und motivieren Eltern bei ihrer Reise.

Ziel des Eltern-Programms ist es,

  • Eltern für die Stärken und Bedürfnisse der Kinder zu sensibilisieren
  • Wissen zum Thema seelisches Wohlbefinden zu vermitteln und
  • Von einer vertrauensvollen Kommunikation mit den Fachkräften der Kita zu profitieren, so dass mehr Freude und Spaß an Erziehungsaufgaben entstehen kann

Schatzsuche wird Stand 10/2022 in zwölf Bundesländern umgesetzt. Da der Übergang von der Kita in die Schule für viele Eltern und Kinder als besonders belastend empfunden wird, folgte dem Programm „Schatzsuche-Basis“ das Programm „Schatzsuche – Schule in Sicht“. Es und wird seit 2020 in Grundschulen umgesetzt. Das Programm hat seit seinem Start 2010 mehr als 1700 Fachkräfte aus beinahe 800 Einrichtungen zertifiziert und über 8000 Fachkräfte durch Inhouse-Schulungen erreicht. Die Evaluation weist die Wirkung des Eltern-Programms nach: sowohl Eltern als auch Fachkräfte bestätigten eine wesentliche Kompetenzförderung. Bei den Fachkräften konnte ein wahrgenommener Kompetenzgewinn mit deutlicher Signifikanz erreicht werden.

Vorbereitung sowie Nutzen und Aufbau der Strukturen

Das Programm hat drei Bausteine: das Eltern-Programm, die Weiterbildung für Fachkräfte und ein Medienpaket. Eine Weiterbildung qualifiziert die Fachkräfte der jeweiligen Einrichtung über sechs Tage zu Schatzsuche-Referentinnen und -Referenten. Sie werden in die Lage versetzt, das Eltern-Programm eigenständig in ihren Einrichtungen umzusetzen. Für die Durchführung erhält jede Kita ein Medienpaket in einer Schatzkiste. Sie enthält Materialien, die die Schatzsuche-Referentinnen und -Referenten zur Programmdurchführung nutzen.

Im Anschluss an die Weiterbildung findet eine Inhouse-Schulung statt mit der das gesamte Team der Einrichtung ins Boot geholt wird. Mit der Übergabe des Schatzsuche-Siegels an die Einrichtung kann die eigenständige Umsetzung des Programms beginnen.

Die Treffen finden in einer für die Eltern vertrauten Umgebung in ihnen bekannten Räumlichkeiten statt. Bestehende Räumlichkeiten werden genutzt und müssen nicht extern angemietet werden und das Programm wird von vertrauten Personen, den Fachkräften, umgesetzt.

Bedarfsanalyse

Hintergrund der Entwicklung von Schatzsuche war der Anstieg psychischer Auffälligkeiten von Kindern (KIGGS- und BELLA-Studie).

Planung von Maßnahmen und Umsetzung

Im Vorfeld an die Elterntreffen wird das Angebot auf einrichtungsspezifische Weise beworben. Im Vordergrund steht die persönliche Ansprache der Eltern. Sozial benachteiligte Eltern werden nicht gezielt angesprochen, das Programm richtet sich an alle Eltern einer Einrichtung. Durch Mund-zu-Mund Propaganda erhöht sich im Verlauf der Bekanntheitsgrad des Programms unter den Eltern und auch eher schwer zugängliche Familien werden erreicht. Der Einsatz von Bildmaterial sowie das Motto „Nicht mitmachen ist erlaubt“ erhöhen die Niedrigschwelligkeit des Programms zusätzlich.

Zwei zertifizierte Fachkräfte einer Kita moderieren die Treffen. Im Vorfeld zu den Elterntreffen erhalten die Referentinnen und Referenten ein Logbuch, das eine strukturierte und detaillierte Anleitung zu der Umsetzung des Programms enthält.

Das Eltern-Programm umfasst sechs Treffen à 2,5 Stunden mit einer empfohlenen Gruppengröße von 10-12 Eltern, wobei der Zeitpunkt und Turnus an die Bedürfnisse der Einrichtung und der Eltern angepasst werden.

Inhalte der sechs Treffen sind:

  1. Die Schatzsuche beginnt: Kennenlernen und gemeinsam anfangen. Einführung ins Thema Resilienz und Schutzfaktoren
  2. Spurensuche: Entwicklung von Kindern verstehen. Entwicklungsaufgaben von Kindern, Ressourcen und Entwicklungschancen erkennen und nutzen
  3. Eine Kiste voller Gefühle: Was Gefühle sagen. Wahrnehmung und Empathie, eigene Gefühle und Gefühle von anderen wahrnehmen
  4. Bei Wind und Wetter: Streit und Lösung. Streitkultur und respektvolles Miteinander
  5. Wegweiser: Alltag und Familienrituale. Freiräume für Eigenes und Gemeinsames, Umgang mit Ritualen
  6. Große und kleine Schätze: Unterstützungsangebote, Ausblick und Abschluss. Reflexion der gemeinsamen Reise, Angebote aus dem Stadtteil kennenlernen

Evaluation

Schatzsuche – Basis wurde im Zeitraum von Juni 2011 bis Dezember 2012 durch das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie evaluiert. Schatzsuche – Schule in Sicht wurde im Zeitraum von März 2018 bis Juni 2021 im Rahmen einer partizipativen Begleitforschung durch die Berlin School of Public Health, wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Ergebnisse

  • Strukturen des Kita-Settings: Die KITA-Leitungen berichten im Schnitt von mehr als doppelt so vielen sozial benachteiligten Familien in ihren Einrichtungen im Vergleich zu den Referenzwerten und schätzen sich häufiger als Einzugsbereich mit besonderem Erneuerungsbedarf ein.
  • Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher: Erzieherinnen und Erzieher haben die Weiterbildungsmodule im Schnitt mit der Schulnote 1,8 sehr positiv bewertet. Der Perspektivenwechsel auf die Stärken der Kinder wurde als inhaltliches Highlight der Weiterbildung beschrieben. Zugleich verbesserten sich sowohl der Wissensstand zur psychischen Gesundheit als auch das Erkennen von seelischen Problemen bei Kindern deutlich.
  • Eltern-Programm – Bewertung durch Erzieherinnen und Erzieher: Die Erzieherinnen und Erzieher bewerteten das Eltern-Programm insgesamt mit der Schulnote 1,5 sehr positiv. Sowohl die Stimmung als auch die Beteiligung der Eltern sowie die persönliche Durchführung und die Materialien wurden sehr positiv bewertet.
  • Eltern-Programm – Bewertung durch Eltern: Aus der Elternbefragung geht eine deutliche Zufriedenheit mit der Schulnote 1,7 hervor. Für zehn von elf befragten Eltern waren die Programminhalte verständlich und für ihren Alltag nützlich. Die Referentinnen und Referenten wurden als kompetent bewertet. Die Eltern fühlten sich durch das Eltern-Programm in ihrer Rolle gestärkt.

 Nachhaltige Verankerung des Projekts

Die Verbreitung des Eltern-Programms Schatzsuche wird bundesweit von der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. koordiniert und erfolgt durch verschiedene Kooperationsmodelle. In den Bundesländern wird dies von der jeweiligen Landesvereinigung für Gesundheit übernommen. Kooperationspartner sind unter anderem die Techniker Krankenkasse, das GKV-Bündnis Mecklenburg-Vorpommern und die AOK Nordost. Die Finanzierung erfolgt länderspezifisch. Seit 2014 kann das Programm so fortlaufend umgesetzt werden.

Sie haben Fragen?

Bei Fragen rund um das Projekt wenden Sie sich bitte an Frau Maria Gies.

E-Mail: maria.gies@hag-gesundheit.de

Telefon: 040 288 03 64-13

Webseite: www.schatzsuche-kita.de/index.php