Schutzengel ist eine gemeinnützige Organisation der Frühen Hilfen und richtet sich in Flensburg und im Kreis Schleswig-Flensburg mit vielen niedrigschwelligen Hilfs- und Beratungsangeboten, passgenauen Orientierungshilfen und individuellen Unterstützungsmöglichkeiten an Schwangere und Eltern von Kindern bis zum 3. Lebensjahr. Der Fokus der Förderung liegt auf der Sicherung der Eltern-Kind-Bindung. Hierzu sollen das Bewusstmachen und das Stärken eigener Ressourcen innerhalb der Familien als Schutzfaktoren dienen.

Zielgruppe:  Alle Familien, insbesondere vulnerable Familien und sozial benachteiligte Personen, wie z. B.  Alleinerziehende

Projektnehmende: Schutzengel GmbH

Projektlaufzeit: 2000 – kein Ende geplant

Video: Aus der Praxis für die Praxis – Niedrigschwellige Arbeitsweise im Projekt „Schutzengel“

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Weitere Informationen zu den einzelnen Good Practice Kriterien, u.a. „ Niederschwellige Arbeitsweise“, finden Sie hier.

Zielgruppe des Projekts – wer und warum?

Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Status sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, einen nur mittelmäßigen bis sehr schlechten Gesundheitszustand auszubilden. Dieser kann sich beispielsweise in psychischen Auffälligkeiten oder in einem ADH-Syndrom äußern. Hinzu kommen die ebenfalls steigenden Zahlen von chronischen Erkrankungen bei diesen Kindern. Einen bedeutenden Einfluss auf die kindliche Entwicklung haben darüber hinaus gesichert erlebte Bindungen. Diese können durch familiäre Belastungssituationen, wie etwa einem niedrigen sozioökonomischen Status, negativ beeinflusst werden. Eine sichere Bindung ermöglicht es Kindern, wesentliche Lernerfahrungen zu machen, die den weiteren Werdegang entscheidend prägen. Bindung hat einen unmittelbaren Einfluss auf Bildung und ermöglicht eine gesunde Entwicklung des Kindes.

Schutzengel begünstigt durch spezielle niedrigschwellige frühe Hilfen, ein gesundes Aufwachsen der Kinder und somit eine positive Entwicklung. Gesundheitliche Probleme und Entwicklungsstörungen bei Kindern werden so verringert oder gar verhindert. Mütter und Familien werden durch Elterntreffpunkte, Familienkinderkrankenschwestern oder Familienhelfer/innen zu Hause oder in einer der Schutzengeleinrichtungen beraten, unterstützt und begleitet.

Als weitere Zielgruppe auf der Fachebene sollen durch die Schutzengel-Akademie für Frühe Hilfen, Fachkräfte und Ehrenamtliche in den Frühen Hilfen angesprochen und in ihren Handlungskompetenzen gestärkt werden. 2021 waren die Vernetzungsprojekte „Präventionskette Flensburger Norden“, „Ehrenamt Digital“ und die Kooperation mit der Stadt Flensburg am Bundesprogramm „Engagierte Stadt“ Schwerpunkte der Schutzengel Akademie.

Umsetzung und Projekterfolg – wie und was?

Schutzengel-Fachkräfte in der Stadt Flensburg und im Kreis Schleswig-Flensburg begleiten Familien im häuslichen Rahmen und leisten intensive Unterstützung je nach Bedarf der Familie und je nach Situation. In den Elterntreffpunkten und Familienzentren wurden 2019 rund 10.000 Kontakte von Familien bei Mitmach- und Gesundheitsangeboten verzeichnet. Schutzengel ist Vorbild für das Landesprogramm “Schutzengel vor Ort”. Als Träger hat Schutzengel im nördlichen Schleswig-Holstein 9 Standorte aufgebaut.

Im Jahr 2021 fanden rund zwei Drittel aller erbrachten Leistungen im ambulanten Bereich statt. Insgesamt wurden 1.208 Hausbesuche und Begleitungen sowie 692 Einzelberatungen im neutralen Raum verzeichnet. Die ambulante Behandlung umfasst aufsuchende Beratung und Begleitung, die in der Regel im vertrauten häuslichen Umfeld stattfindet. Durch die Pandemie wurden viele Familien zusätzlich über digitale Wege betreut. im Westen des Kreises und in Schleswig wurden im Jahr 2021 insgesamt 92 Familien in schweren Lebenslagen von Schutzengel begleitet.

Das Projekt setzt in den Stadtteilen an, die oftmals als „soziale Brennpunkte“ betitelt werden, um so vor allem junge Familien zu erreichen, die nur schwer Zugang zu entsprechenden Hilfsangeboten haben und/oder diese nicht aus Eigeninitiative in Anspruch nehmen wollen. Alle Angebote richten sich nach den Bedürfnissen der Familien, sie sind freiwillig und kostenlos.

Vorbereitung sowie Nutzung und Aufbau von Strukturen

Die Schutzengel-Strukturen sind eng vernetzt mit dem Gesundheitswesen. Durch die Schreibaby-Sprechstunde, der Elternsprechstunde in der Diako (Krankenhaus), dem Kinderwagencafé im Helios-Klinikum und der Kooperation mit der Psychiatrischen Institutsambulanz entstand eine immer engere Zusammenarbeit, damit Familien noch rechtzeitiger erreicht oder Übergange noch sicherer gestaltet werden können. Im Rahmen der „Präventionskette Flensburger Norden“ konnten 2 Projekte begonnen werden, bei denen das gesunde Aufwachsen von Kindern von 0 bis 10 Jahren und die Unterstützung der Eltern gefördert werden.

Bedarfsanalyse

Die Bedarfsanalyse erfolgt über die Sozialberichterstattung der Kommunen, indem die Sozialdaten ausgewertet und Bedarfslagen in den Netzwerken abgestimmt werden. Sehr wichtig ist zudem die systematische Partizipation der Familien, die so direkt in die Entwicklung der Angebote eingebunden werden.

Maßnahmenplanung und -umsetzung

Schutzengel setzt auf Lotsen wie Hebammen, Ärzte und Ärztinnen sowie Krankenhäuser, um einen umfassenden, nicht stigmatisierenden Zugang zu den Familien herzustellen. Die Familienhebammen fungieren hierbei als Türöffner und machen die Familien frühzeitig auf das Hilfsangebot aufmerksam. Zusätzlich gelangen viele Familien über „Mund-zu-Mund-Propaganda“ zu den Angeboten.

Erste Anlaufstellen sind dann die Elterntreffpunkte in den sozialen Brennpunkten. Hier wird an fünf Tagen in der Woche ein Programm geboten, bei dem Familienhebammen, pädagogische Gesundheitsfachkräfte und pädagogisch geschulte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ansprechbar sind. Es wird praktische Hilfe vor Ort geleistet, wie zum Beispiel die Versorgung mit Kinderkleidung aus der Schutzengel – Boutique. Der Austausch mit anderen Eltern und die Begegnung mit anderen Familien in vergleichbaren Situationen erleichtert oft den Zugang zur Hilfe. Dabei setzt Schutzengel vor allem auf Freiwilligkeit und die Möglichkeit, anonym zu bleiben.

Zu den offenen Angeboten in den Treffpunkten kommt die individuelle Unterstützung durch eine ambulante Familienbegleitung, einer Fachkraft aus dem pädagogischen oder dem Gesundheitsbereich. Diese intensive Hilfe, die weitgehend im häuslichen Umfeld der Familie stattfindet, ist ebenso eine auf Freiwilligkeit der Familie basierende Leistung. Umfang und Inhalte richten sich nach dem Bedarf der jeweiligen Familie.

Familien werden nicht nur in den Elterntreffpunkten oder ambulant beraten, sondern es werden gemeinsam Wege zu weiterführenden Institutionen aufgezeigt. Die Arbeit im Netzwerk und mit den verschiedensten Akteuren und Akteurinnen ist ein grundlegender Bestandteil, um den Familien eine passgenaue und förderliche Unterstützung anzubieten

Evaluation

Im Jahr 2018 und 2019 konnten 7,1% der Säuglinge dieses Jahrgangs durch Fachkräfte der Frühen Hilfen des Schutzengels und des Gesundheitsamts Schleswig betreut werden. Bei 91,3% (2018: 72,4 %) der Betreuungen konnte eine Verbesserung der zu Beginn erkannten Probleme erreicht werden und manche Fälle sogar mit einer Problemlösung beendet werden. Insgesamt hat der Schutzengel in Flensburg im Jahr 2021 1.208 Hausbesuche und Begleitungen sowie 692 Einzelberatungen im neutralen Raum, also in Treffpunkten, an Orten im Stadtteil oder bei Treffen im Freien durchgeführt. In den Elterntreffpunkten konnten insgesamt 704 Angebote ausgerichtet werden. 221 Familien wurden intensiv mit insgesamt durchschnittlich 37 Besuchen pro Woche begleitet. Im Kreis Schleswig-Flensburg wurden 2021 in der Diako (Krankenhaus) 544 Geburten verzeichnet, von denen 169 Mütter aufsuchend durch „Babylotsen“ unterstützt werden konnten. Im Allgemeinen wurden die Elternsprechstunden immer mehr angenommen, sowohl von den Eltern als durch die Stationen. Zudem führen Fachkräfte der Frühen Hilfen immer mehr Beratungen in den Praxen der Kinderärzte und Kinderärztinnen durch. Mit der präventiven Babysprechstunde wurden im Kreis Schleswig-Flensburg viele Familien mit Schreikindern unterstützt.

Nachhaltige Verankerung des Projekts – was kommt danach

Schutzengel kooperiert mit vielen Initiativen in den Kommunen, um passende Unterstützungs-angebote auch mit Engagierten zu etablieren. Über die Kooperation mit dem „Engagierten Städte-Programm“ bekam Schutzengel den Zuschlag für ein Pilotprojekt, um die Ehrenamtsstrukturen in den Frühen Hilfen in Flensburg weiterzuentwickeln. Das Land Schleswig-Holstein förderte 2021 Investitionen für die digitale Familienberatung. Mit den Erfahrungen über die Chancen und Grenzen digitaler Angebote für Familien, entstand so ein digitales Beratungsportal für Familien in ganz Schleswig-Holstein.

Der Ausblick ist derzeit positiv, da durch die Erhöhung der Anzahl an Fachkräfte weiterhin vielen Familien geholfen werden kann.

Sie haben Fragen?

Bei Fragen rund um das Projekt wenden Sie sich bitte an Herrn Volker Syring, Geschäftsführer.

E-Mail: vsyring@schutzengel-flensburg.de  

Telefon: +49 461 9402859

Website:  www.schutzengel-flensburg.de